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Ulrich Göpfert
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Der elektrische Christbaumständer Drucken E-Mail

Der elektrische Christbaumständer
oder wie man Weihnachten nicht feiern sollte!

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2010 © Ulrich Göpfert

Mer muss sich scho langsam aufs Fest vorbereit,
denn es is bis Weihnacht nicht mehr allzu viel Zeit.
Drum sitzn beinanner mei Vadder, mei Mutter
und mei Mama meent: "denn alles in Butter?

Nä, secht mei Papa, Fraa, ich kanns net änder,
heuer brauch mer an neua Christbaamständer!
Ohje, des aa noch, secht mei Mama,du Wastl,
könnst du so ä Ding net aus irgendwas bastl?

Mei Papa sacht drauf: ich hoff, das es geht,
ich bastl än Ständer, auf dem der Baam sich dann dreht.
Horch zu, Fraa, bei uns aufm Bodn da steht
a alts Grammofon, du wirst lachn, des geht!
Ich bau in den Kastn a Spieluhr noch nei,
des soll für uns alla a Überraschung sei!

Tag für Tag wird gebastelt, war des eine Plag,
doch nach drei Wochen Ärbät kann mei Pappa dann sag:
"So Fraa, ich bin fertig, Äs Christkindla kann kumm"!
Sei Werk führt er vor und ganz prima löffts rum.
Ausn Kastn, da hört mer die Spieluhr hervor:
Ihr Kinderlein kommet¦ tönts an mein Ohr.
Mei Mama war stolz und gibt ihn zum Schluss,
trotz Öl, Leim und Sägmehl an kräftigen Kuß!

Tagsdrauf war der heilige Abend dann da,
der Baam wird geputzt, mer hängt allerhand na;
Äpfel und Nüß, dazu Zimtstern und Plätzla,
Kugeln und Zapfen und viel bunta Kerzla.
Eine Aufregung war des, die Gaudi war groß
und mei Pappa brüllt: "Naus jetzt, die Bescherung
geht los"-

Bald darauf bimmelts dreimal und mir dürfen nei.
Der Baam dreht sich langsam und die Spieluhr setzt ei:
"Ihr Kinderlein kommet, o kommet doch all",
auf eemol, da hört mer so leis einen Knall.
Doch die annern die stauna, es Mariechen, der Sepp
und die Oma seufzt leis "das ich des noch erleb"!
Bloß der Papa stutzt plötzlich, denn er hat schon gsehn,
der Baam vorher ruhig, tut viel rascher sich drehn.
Aa die Spieluhr geht schneller, so hopplahopp, und
"Ihr Kinderlein kommet" ertönt als Galopp!
Mei Mama schreit laut: "Warum tat der da so sausn?",
wie a Raketn, so sieht der Baam aus!

Vor Angst sin mir Kinner unterm Tisch gleich gekrochen,
denn mer mennt, der Vesuv wär bei uns ausgebrochen.

"Volle Deckung", ruft der Vadder grad noch rechtzeitig aus,
denn der erst Apfl tut vom Baam runtersausn.
Er trifft voller Wucht genau nein Kaufladn,
da gibt`s dort im Gschäft än beträchtlichen Schaden.

Und dann geht`s erst los, des war ungeheuer,
der Baam schießt anhaltendes Trommelfeuer.
Die Sternwerfer sausn ab durch die Mittn,
grad wie im Weltraum die Satelliten.

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2010 © Ulrich Göpfert

Was nachert passiert, war ein ganz dicker Hund;
der Opa steht aufrecht, hat sei Pfeifn im Mund,
das schleudert der Baam und es knallt wie ein Schuss,
genau auf den Opa a Riesentrumm Nuß!
Die Pfeifn zersplittert in der Mitte entzwei
und vor Schreck hauts än Opa in die Kasperle nei.
Den Teufel im Kragn ruft er da gleich aus:
"Ihr Kinner, es fällt heut die Vorstellung aus"!

Än Mariechen sei Puppnküch war dekoriert,
als wär durch ä Bombm der Herd explodiert.
Ä Zimtstern, der zischt grad ins Radio nei,
des schalt von dem Schlag sich vo selber gleich ei.
Es spielt dann "..und bring ich euch eine gute Mär".
Doch mei Oma die schreit: "Mir wölln heut gar nix mehr,
uns langst doch scho lang, was der Christbaam uns bringt",
doch da riecht mer auf eemal, dass irgendwas stinkt.

Die Vorhäng die brenna und mei Papa rennt naus,
so än Minimaxlöscher ham mir glücklich im Haus.
Mit den Ding stürzt er rei, spritzt die Vorhäng gleich oo,
da trifft ein Trumm Apfl den geschlagna Moo.
Wie vom Blitz getroffen hauts ihn nach hinten
und er hört noch vo weiten, als die Sinne ihm schwinden
ausm Radio des Lied "Ein Ros ist entsprungen"
und des ist meim Vadda im Ohr noch geklungen
beim Umfalln, drum hat er am Boden noch gfragt:
"Gell der Gaul ist bei uns durchs Zimmer gejagt"?
Ich gläb, der hat nausghaut und hat mich getroffen!
Und gleich drauf wär mei Papa ums Haar ersoffn.
Denn der Minimax spritz, war des ä Gedicht
Meim Vadder im Liechn direkt nei sein Gsicht.
Ein Qualm war im Zimmer s war nett zu ertragen
und die Standuhr hat dazu grad achtmal geschlagn.

In der Burg platzn Kugeln, laut wie Granatn
Und reihenweis purzeln da drin die Soldaten.
Ja, sogar vor der Krippn macht der Baam jetzt net halt;
den heiligen Josef hats in den Stall neigeknallt.
Die Schäfla, die Hünd, die waren des Todes;
mitm Kopfschuss lag da der König Herodes!
die heiligen drei König hats vom Kamel rogerissen
und der Sepp hat vor Angst in sei Hosen gemacht.

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2010 © Ulrich Göpfert

Im Dorf, da wars ruhig, denn es lag tief verschneit,
da geht ä Oma am Fenster vorbei draus und schreit:
"Frohe Weihnacht wünsch ich euch, ein ruhiges Fest!"
Des gab uns dann allen noch völlig den Rest:
"Des Rindvieh tät glotzn, sehet des unner Stum"!
Da endlich bleibt der Baam steh und saust nimmer rum.

Mei Papa, der stöhnt, Mensch was hab ich gerackert
und jetzt steht er da, fast vollkommen nackert!
Aus der Eckn, da krappeln mir langsam jetzt vor,
der Opa, der hat noch Lametta im Ohr.
Der Sepp kommt unter der Couch vorgekrochen,
den bräucht mer net such, den hat mehr gerochn.

Im Zimmer wars dunkel, weil ja des Licht noch aus war,
ausm Eck kummt die Oma mitm Kerzla im Haar,
des hat noch gebrennt und der Sepp schreit: "Guck no,
es Christkindla persönlich is bei uns jetzt do"!

Der Papa brennts Licht oo - "des nur zur Erklärung"
und da sagn mir alle "Ach is des ä Bescherung"!
und zum Schluss schreibt mei Vadder dick nei sein Kalender:

"Nie wieder än elektrischen Christbaamständer"!

Quellenangabe:

Das Gedicht stammt von Herrn Josef Ehrlitzer aus der Gemeinde Gochsheim bei Schweinfurt. Es ist in dem Buch "Mach dei Aachn auf" (Selbstverlag) zu finden.

 
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